Schnepperschütz: schrumpfende Brote
Man traute seinen Augen nicht. Von einem Besuch zum nächsten waren die einfallsreich belegten Brote im Schnepperschütz um die Hälfte geschrumpft. So der subjektive Eindruck. Selbst wenn es sich tatsächlich vielleicht nur um ein Drittel handelt – die Gäste sind nicht blöd. Vielleicht ja doch und ihr verkauft noch genauso viel Brote wie zuvor, weil die Nürnberger, die gerne Berliner wären, so einiges mit sich machen lassen. Ich für meinen Teil enthalte mich jedoch zukünftig dankend. Bis die Brote wieder wachsen und ihr vielleicht sogar den Bäcker wechselt – so gut die Beläge sind, das Brot kommt nicht mit.
Café Lorenz in Nürnberg
Es gibt Dinge, die man nicht tun sollte. Als Gastronom: alten Kuchen verkaufen. Als Gast: Kuchen bestellen, wenn man sieht, dass nur noch zwei Stück in der Vitrine liegen.
Schön wäre es gewesen, wenn die Bedienung mir als Stammgast Kuchen nicht mehr verkauft hätte, der offensichtlich alt ist. Das hätte ich als bevorzugte Behandlung empfunden, mich gefreut und weiterhin Vertrauen gehabt. Ein Stück alter Kuchen ist nun kein Weltuntergang – man könnte es als Ausnahme ansehen. Und ein nächstes Mal einen neuen Versuch starten, denn der Kuchen war schließlich bislang gut gewesen.
Ein letztes Stück so trockenen und festen, eiskalten Marmorkuchens an einen Neukunden herauszugeben, wäre noch schlimmer: der Gast würde vermutlich nie wieder kommen – oder zumindest sicherlich keinen Kuchen mehr bestellen.
Liebes Lorenzteam, vielleicht war der Kuchen auch “erst” vom Vortag. Wenn die Aufbewahrung offen in der Vitrine jedoch reicht, den restlichen Kuchen innerhalb eines Tages wirklich kaputt zu machen, verzichtet doch auf die letzten 5 Euro Umsatz. Hätte mir der Kuchen geschmeckt, wäre ich länger geblieben und hätte mehr gegessen und getrunken.
Millionenumsatz
Auf dem Weg zum Mittagessen hinter einem Mutter-Sohn-Pärchen gelaufen. Aufgeschnappt: “… so kann man ganz leicht einen Millionenumsatz generieren.” Weiter nichts Außergewöhnliches, hätte es nicht ein Bub im Grundschulalter zu seiner Mutter gesagt…
Glaubwürdigkeit
Schon oft den Kopf geschüttelt über Star- oder Fernsehköche, die Ihre Glaubwürdigkeit einbüßen, indem sie in groß angelegten Kampagnen zu Maggi-Gesichtern werden. Nun hat es einen Nürnberger Koch erwischt. Er guckt einen von vielen hundert Plakaten an, den Arm voller Brot von “Der Beck”, der regionalen Bäcker-Ketten-Plage. Das Ganze ist überschrieben mit “Stefan Rottner: Spitzenkoch, Gastronom und Kunde”. Unnötig hinzuzufügen, dass Beck’s Fabrikbrot sicherlich nicht zum Besten in der Region zählt.
Café Opera
Eine heiße Schokolade, bitte. – Gerne, aber es gibt da ein Problem. Die Schokolade ist nicht heiß. Das Mädchen an der Theke unten macht die Schokolade in einem Glas. Wenn die Schokolade also heiß wäre, kann man das Glas nicht mehr anfassen. – Aha, macht nichts, gerne auch lauwarm. An der Theke unten steht eine Frau Mitte vierzig, die tottraurig aussieht. Vielleicht über das Unvermögen, heiße Schokoladen zubereiten zu können. Und ein langhaariger, vielleicht Zwanzigjähriger. Er hat eine kleine Tonsur. Weshalb die Schokolade nicht einfach in einer Tasse serviert wird, diese Frage nagt Stunden später immer noch an ihm. In ihm. Das Gegenüber bestellte einen Cappuccino mit Minzgeschmack. Was, das habe ich ja noch nie gehört. Schmeckt das? Ich weiß ja nicht. – Aber es steht doch auf Ihrer Karte. – Ach so? Wo? Ja, na dann. Es gab in der Mitte der Karte auch eine Mittagskarte zum Einlegen: ein bis auf das Wort Mittagskarte leeres Blatt.
Roman: Mängelexemplar
Sehr enttäuscht darüber, im Buchladen den Roman „Mängelexemplar“ gesehen zu haben. Aber sicherlich ist der Titel schlecht gewählt, schlechter als bei dem Buch, das er selbst mit diesem Titel geschrieben hätte.
Roman. Betonung auf der ersten Silbe. Der hat ihn auch enttäuscht. Dieses ganze Zwischenmenschliche. Völlig sinnfrei. Es bringt doch nichts. Irgendwann wird auch er von einem Bekannten wieder zu einem Unbekannten werden. Den man zwar noch erkennen, jedoch vielleicht nicht einmal mehr grüßen wird.
Tanzen
Es sieht einfach nicht gut aus. Der Versuch, den Körper lasziv zu bewegen wie ein hübscher, schlanker, beweglicher Tänzer. Wenn der Körper so bauklotzmassiv ist. Vielleicht berühren sich da fast die Rippen, die Wirbelsäule mag gekrümmt sein. Man sieht aber nur einen massigen Körper, der wackelt. Links. Rechts. Ungelenk. Zur Musik. Nicht passend. Und der selbsternannte Tänzer findet sich gut. Steht sogar auf dem Podest in der Disco. Vorbild für die nervöse Menge unter ihm. Er übt daheim sicherlich nicht vor dem Spiegel. Sein Spiegelbild sind die professionellen Tänzer auf MTV in Musikvideos, die er vor sich sieht, wenn er zu Hause tanzt. Sich zu bewegen versucht.
Kino: Away we go
Sehr sehenswert! Mehr will ich gar nicht sagen. Über Dinge, die mir gefallen, kann ich selten etwas äußern. Missfallen hingegen, damit sieht es anders aus. Dies nur gesagt, um zu zeigen, dass der notorische Nörgler nicht an allem etwas zu kriteln hat.
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